Zinsen (ribā)

Ribā bedeutet wörtlich „Zusatz“. Zins ist eine im Islam streng verbotene Form des Handels, da es ein Instrument der Unterdrückung und Ausnutzung ist und zudem Schaden verursacht.

Es gibt verschiedene Arten von Zinsen. Die bekanntesten und verbotensten Arten von Zinsgeschäften sind: Zinsen für Schulden, die nicht rechtzeitig beglichen wurden und Zinsen für einen aufgenommenen Kredit. Es handelt sich hierbei um die Zurückzahlung eines höheren Betrages als den geliehenen Betrag, ohne dass hierfür mehr Ware oder eine sonstige Gegenleistung von einem der Vertragspartner erbracht wurde. Somit ergeben sich zwei Arten von Zinsgeschäften:

  • Zinsen für Schulden, die nicht rechtzeitig beglichen wurden:

Hierbei handelt es sich um eine Betragsmenge, d.h. Zinsen, die ein Schuldner zusätzlich zum geliehenen Geld zahlen muss, wenn er die Schulden zum Fälligkeitstag nicht tilgt (Verzugszinsen).

Beispiel: Ein Mann namens Said leiht von Khalid 1.000 Dollar aus, die er ihm nach einem Monat zurückzahlen muss. Nach diesem Monat, als der Fälligkeitstag kam, an dem Said die Schulden begleichen müsste, kann Said sein Versprechen nicht erfüllen und somit Khalid das geliehene Geld nicht zurückzahlen. Der Geldgeber Khalid stellt dann Said vor die Wahl: Entweder gibt ihm Said jetzt sein Geld ohne Zusatz zurück oder er zahlt ihm nach einem Monat 1.100 Dollar. Wenn er nach einem Monat immer noch nicht zahlen kann, dann muss er nach zwei Monaten 1.200 Dollar zahlen usw.

  • Zinsen für einen aufgenommenen Kredit:

Hierbei handelt es sich um eine bestimmte Geldmenge, die man von einer Person oder einer Bank ausleiht, mit der Bedingung, dass man das Geld zuzüglich Zinsen zurückzahlen muss. So vereinbaren sie (mehr oder weniger) 5 % Zinsen pro Jahr.

Beispiel: Ein Mann möchte ein Haus kaufen, das 100.000 Dollar kostet. Doch er hat nicht genug Geld. Deshalb geht er zur Bank und leiht sich diese Summe (100.000 Dollar), um sich das Haus kaufen zu können. Für diesen Kredit, der ihm gewährt wurde, muss er der Bank eine Summe von insgesamt 150.000 Dollar zahlen, die er in monatlichen Raten in einem Zeitraum von fünf Jahren abbezahlt.

Das Geben und Nehmen von Zinsen ist im Islam streng verboten und gehört zu den größten Sünden (kabāʾir). Solange bei einem Kredit Zinsen gezahlt werden müssen, ist der Kredit verboten. Dabei spielt es keine Rolle, was mit dem Kredit finanziert werden soll: Investitionen, Handel, Industrie, wichtige Immobilien wie Eigenheim und Grundstück oder private Wünsche wie Konsum- und Luxusgüter.

Was jedoch den Ratenkauf bzw. den Finanzkauf betrifft, der daraus besteht, dass man für eine Ware aufgrund der monatlichen Ratenzahlung einen höheren Preis zahlt als ihr ursprünglicher Preis bei Barzahlung, so handelt es sich nicht um ein Zinsgeschäft.

Beispiel: Ein Mann kauft ein Gerät, das bei Barkauf 1.000 Dollar und bei Finanzkauf 1.200 Dollar kosten würde. So zahlt er dem Geschäft, dem dieses Gerät gehörte, jeden Monat einen Betrag von 100 Dollar für einen Zeitraum von einem Jahr.

Das islamische Urteil über Zinsen:

Gemäß dem Koran und den Aussprüchen des Propheten (Allahs Segen und Friede auf ihm) sind Zinsen eindeutig streng verboten. Das Nehmen und Geben von Zinsen gehört zu den größten Sünden im Islam. Allah hat keinem einzigen Sünder mit Krieg gedroht, außer demjenigen, der Zinsen nimmt und mit Zinsen handelt. Das Zinsverbot gibt es auch in den Gesetzgebungen der früheren Offenbarungsreligionen und ist keineswegs ein Phänomen, das nur im Islam existiert. Allerdings wurde das Zinsverbot in den Offenbarungsschriften verfälscht und missachtet, wie es bei vielen anderen Geboten Allahs ebenfalls getan wurde. Allah, der Erhabene machte uns deutlich, weshalb es von den Schriftbesitzern einige Völker gab, die die Strafe und den Zorn Allahs verdient hatten. Allah, der Erhabene sagte: … und (weil sie) Zins nahmen, wo es ihnen doch verboten worden war. (Sure 4 an-Nisāʾ Vers 161)

Die angedrohte Strafe für Zinsgeschäfte:

  1. Ein Mensch, der mit Zinsen handelt, setzt sich dadurch dem Krieg gegen Allah und Seinen Gesandten aus. Er wird zu einem Feind Allahs und einem Feind des Gesandten. Allah, der Erhabene sagte: Wenn ihr es aber nicht tut, dann lasst euch Krieg von Allah und Seinem Gesandten ansagen! Doch wenn ihr bereut, dann steht euch euer (ausgeliehenes) Grundvermögen zu; (so) tut weder ihr Unrecht, noch wird euch Unrecht zugefügt. (Sure 2 al-Baqara Vers 279) Ohne Zweifel hat ein solch geführter Krieg eine große Auswirkung auf Körper, Geist und Seele. Die psychischen Erkrankungen, wovon heutzutage viele Menschen betroffen sind, die an Depressionen, Angstzuständen, Kummer und Sorgen leiden, sind nichts weiter als das Ergebnis des erklärten Krieges, der gegen jeden geführt wird, der sich Allahs Befehlen widersetzt, Zinsen verzehrt, bei Zinsgeschäften hilft… Wie groß aber werden erst die Auswirkungen des Krieges im Jenseits sein?
  2. Auf jeden Menschen, der mit Zinsen handelt, Zinsen nimmt oder gibt, lastet der Fluch Allahs und er ist aus Allahs Barmherzigkeit ausgeschlossen. Dies gilt nicht nur für ihn, sondern auch für jeden, der ihn dabei unterstützt. Der Gefährte Ǧābir (Allahs Wohlgefallen auf ihm) überlieferte: „Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Friede auf ihm) verfluchte den Zinsnehmer, den Zinsgeber sowie den Schreiber und die Zeugen eines Zinsvertrags. Und er sagte: Sie alle sind (in der Sünde) gleich!“ (Muslim Hadith Nr. 1598)
  3. Wer Zins verzehrt, der wird am Tage der Auferstehung im schlimmsten Zustand wiedererweckt werden, während er wie ein Dschinn-Besessener oder wie ein Geisteskranker schwanken, zappeln, taumeln und zittern wird. Allah, der Erhabene sagte: Diejenigen, die Zins verschlingen, werden nicht anders aufstehen als jemand, den der Satan durch Wahnsinn hin und her schlägt.(Sure 2 al-Baqara Vers 275)
  4. Selbst wenn Zinsgeld scheinbar viel ist, so vernichten Zinsen doch den Segen des Menschen. Er spürt dadurch keine innere Ruhe, keine Glückseligkeit und keine Erholung mehr. Allah, der Erhabene sagte: Dahinschwinden lassen wird Allah den Zins und vermehren die Almosen. (Sure 2 al-Baqara Vers 276)

Die Gefahren der Zinsen für den Einzelnen und die Gesellschaft

Aufgrund der zerstörerischen Auswirkungen der Zinsen für den Einzelnen und die gesamte Gesellschaft geht der Islam mit Nachdruck gegen Zinsen vor. Einige dieser verheerenden Auswirkungen der Zinsen sind Folgende:

  1. Die ungleiche Verteilung von Reichtum und das Entstehen einer immer größeren Kluft zwischen Arm und Reich in der Welt:

Zinsgeschäfte tragen dazu bei, dass immer mehr Geld sich in den Händen von immer weniger Einzelpersonen einer Gesellschaft konzentriert. Die breite Masse der Menschen profitiert dabei nicht vom Reichtum und muss in Armut leben. Diese ungerechte Verteilung führt dazu, dass die Gesellschaft aus wenigen Superreichen und Multimillionären besteht, dagegen aber aus vielen Menschen aus der Arbeiterklasse und noch mehr Armen und Bedürftigen, die unter der Armutsgrenze leben. Solch ein Zustand ist ein Nährboden für Unzufriedenheit und Hass Er begünstigt die Zunahme von Gewalt und Verbrechen in der Gesellschaft.

  1. Verbreitung der Gewohnheit, Geld verschwenderisch auszugeben und nicht mehr zu sparen:

Indem die Bürger einfach und schnell ein verzinstes Darlehen erhalten, werden viele ermutigt, ihr Geld auszugeben und nicht mehr zu sparen. Denn der Bürger hat ja jemanden gefunden, der ihm Geld ausleiht, damit er sich alles leisten kann, was er sich nur wünscht. Deshalb denkt er weder an seine Gegenwart noch an seine Zukunft, sondern gibt das Geld für Luxus und unwichtigen Krimskrams aus. Bis schließlich der Tag kommt, an dem die Schuldenfalle zuschnappt und er so viele Schulden angehäuft hat, dass er nur noch ein beengtes Leben führen kann. Und so kommt es, dass der Betroffene vielleicht ein Leben lang unter seinen Schulden leiden muss.

  1. Zinsen sind die Ursache, weshalb Wohlhabende auf wichtige Investitionen in das Land verzichten:

Wohlhabende Menschen, die in einem Zinssystem leben, lassen ihr Geld lieber auf den Bankkonten, weil sie dafür Zinsen erhalten. Diese Tatsache hält sie davon ab, Investitionen in Industrie, Landwirtschaft oder Handel vorzunehmen, ganz gleich welchen großen Nutzen sie für die Gesellschaft haben könnten. Denn Investitionen bergen ja Risiken und sind mit Mühen und Arbeit verbunden.

  1. Zinsen sind die Ursache dafür, dass der Geldsegen entzogen wird, und sie sind der Grund für die Weltwirtschaftskrisen:

Alle Finanzkrisen und Insolvenzen von Unternehmen oder Privatleuten wurden aufgrund von maßlosen, sündhaften Zinsgeschäften verursacht. Einer der vielen negativen Auswirkungen der Zinsen ist das Entziehen des Segens. Darüber hat uns Allah, der Erhabene bereits unterrichtet. Dagegen segnet Allah das Vermögen und lässt es zunehmen, wenn man für gottgefällige Zwecke und für die Unterstützung notleidender Menschen spendet. Allah, der Erhabene sagte: Dahinschwinden lassen wird Allah den Zins und vermehren die Almosen. (Sure 2 al-Baqara Vers 276)

 Zinsen sind die Ursache dafür, dass der Geldsegen entzogen wird, und sie sind der Grund für die Weltwirtschaftskrisen.

Wie lautet das islamische Urteil über jemanden, der zum Islam konvertiert ist und einen laufenden Zinsvertrag hat?

Bei einer Person, die den Islam angenommen und ein laufendes Zinsdarlehen hat, gibt es zwei Fälle:

  1. Diese Person erhält die Zinsen. Sie ist also der Zinsnehmer. In diesem Fall nimmt diese Person, sobald sie den Islam angenommen hat, nur ihr ausgeliehenes Geld, aber nicht die zusätzlichen Zinsen. Allah, der Erhabene sagte: Doch wenn ihr bereut, dann steht euch euer (ausgeliehenes) Grundvermögen zu; (so) tut weder ihr Unrecht, noch wird euch Unrecht zugefügt. (Sure 2 al-Baqara Vers 279)
  2. Diese Person zahlt die Zinsen. Hier gibt es wiederum zwei Fälle:
  • Wenn diese Person in der Lage ist, diesen Vertrag aufzulösen und ohne großen Ärger und negative Rechtsfolgen vom Vertrag zurückzutreten, so hat sie die Pflicht, das zu tun.
  • Wenn diese Person jedoch nicht in der Lage ist, diesen Vertrag aufzulösen, außer mit beträchtlichem Schaden für sie, dann erfüllt sie diesen Vertrag bis zum Ende seiner Laufzeit. Sie muss in ihrem Inneren fest entschlossen sein, diese abscheuliche Tat nie zu wiederholen. Allah, der Erhabene sagte: Zu wem nun eine Ermahnung von seinem Herrn kommt, und der dann aufhört, dem soll gehören, was vergangen ist, und seine Angelegenheit steht bei Allah. Wer aber rückfällig wird, jene sind Insassen des (Höllen)feuers. Ewig werden sie darin bleiben. (Sure 2 al-Baqara Vers 275)
Bist du der Geldverleiher, der die Zinsen bekommt (Zinsnehmer)?
Ja
Du musst dein ausgeliehenes Grundvermögen nehmen und darfst kein zusätzliches Geld (Zinsen) erhalten.
Nein
Wenn du derjenige bist, der die Zinsen zahlt: Kannst du den Zinsvertrag auflösen, ohne dadurch einen großen Schaden zu erleiden?
Ja
Du hast die Pflicht, den Vertrag aufzulösen, wenn du dazu in der Lage bist und keinen großen Schaden dadurch erleidest.
Nein
Wenn du nicht in der Lage bist, diesen Vertrag aufzulösen oder es würde dir bei einer Vertragsauflösung ein beträchtlicher Schaden entstehen, dann erfüllst du diesen Vertrag bis zum Ende seiner Laufzeit. Du bist fest entschlossen, diese abscheuliche Tat zukünftig nie zu wiederholen.